Der BMW X6 ist seit Dezember in seiner zweiten Generation auf dem Markt. Damit war nicht unbedingt zu rechnen. Wir hattten Zeit für einen ausgiebigen Test bei einer Reise nach München ins Sofitel Bayerpost.
Selbst Optimisten dürften daran gezweifelt haben.
Zu groß waren die Diffamierungen, „Sinnloser Ressourcenvernichter“ fasst das Sammelsurium der Beschimpfungen für den X6 ganz gut zusammen. Ist ein Auto dieser Statur noch zeitgemäß? Darüber kann man sicher diskutieren. Genau so wie über Mid-Season Sales, Wellness-Schinken und eigene Gondeln für arabische Touristen. Also lassen wir doch die Scheinheiligkeit bei Seite und erfreuen uns einfach an einer Extraportion Auto. So wie das schon über 250.000 Kunden getan haben.
So gesehen ist auch klar warum am Grundkonzept wenig geändert wurde.
Am Heck wurde zwar etwas weggelassen, der Bulle bleibt aber ein Bulle. Massiver Grill mit einer beeindruckend gezeichneten Scheinwerfergrafik, große Radhäuser als Heimat für Minimum 19-Zöller und die keilförmige Silhouette schaffen einen gelungenen Spagat zwischen (viel) SUV-Wucht und (wenig) Coupé-Dynamik. Trotzdem ist es vor allem das Detail der abfallenden Dachlinie, das den X6-Fahrer gefühlt 10 Jahre jünger macht als sein X5-Pendant.
Im Interieur ist davon wenig zu merken.
Die Armaturenlandschaft wurde vom klassischen Bruder übernommen, was man in einem Coupé eher nicht so gerne hört. Aber was hätte man machen sollen? Etwas Perfektes verändern, nur um des Veränderns willen? Mehr Premium geht nicht, alles was du in diesem Auto anfasst, willst du auch ein zweites Mal anfassen. Holz, Leder und Chrom in Szene gesetzt von einer LED-Konturlinie machen genau so viel Eindruck wie der 10,25 Zoll große Flatscreen des iDrive Bediensystemes.
Welches im X6 zur Höchstform aufläuft.
„Je voller desto toller“ ist das Motto, sprich, die iDrive-Lösung wird mit der Anzahl der Bedienaufgaben besser. Und davon gab es im Testwagen eine Menge. Die serienmäßig nicht fade, aber auch nicht aufregende Ausstattung wurde um Goodies im Wert von cirka viel Geld (ganz genau wollten wir es gar nicht wissen) aufgefettet. Navi Professional, Head-up Display, Assistenzpaket, Surround View, elektrische Komfortsitze oder adaptive LED-Scheinwerfer bringen den BMW auf Spur.
Womit wir uns der Kernfrage des Tests nähern.
Hält der X6 die dynamischen Versprechen seines Blechkleides? Schauen wir was am Papier steht – 6-Zylinder TwinTurbo Common-Railer mit 258 PS, xDrive, 8-Gang-Steptronic, Schaltwippen, Fahrerlebnisschalter, adaptives Fahrwerkspaket „Dynamic“. Aber auch Efficient Dynamics, EcoPro-Modus und 2.140 Kilo.
Es zeigt sich schnell, das Ding ist tatsächlich ein SUV-Coupé.
Hervorragende Fahrleistungen, wuchtiger Antritt, perfekte Automatik und ein hart an den Grenzen der Physik liegendes Talent in Sachen Dynamik und Sportlichkeit machen aus dem X6 den schnellsten Hochstand wo gibt. Mindestens genau so perfekt beherrscht der große Bayer das Cruisen und den sorgsamen „Raunzer in die Schranken weisenden“ Umgang mit dem Sprit.
Gefehlt hat uns ein Haucherl mehr an Souveränität.
Klingt nach verwöhntem Testfahrer, ist aber so. Diese Wuchtbrumme, mit dem bescheidenen Anspruch, das agilste SUV auf Gottes Erden zu sein, ergreift Besitz von dir, dieser Anspruch ergreift Besitz von dir. Und um diesen 100% gerecht zu werden, haben wir uns am Ende des Testes den im Frühjahr nachgereichten xDrive 40d mit seinen 313 Pferden gewünscht. EUR 7.000,00 mehr für ein Sahnehäubchen – in der Welt des X6 ein Schnäppchen.
Pro:
+ der perfekte Zweitwagen für i8-Besitzer
+ der mögliche Durchschnittsverbrauch
+ der Neid der Anderen
Contra:
- würde uns interessieren was hinten ist, würde hier die
schlechte Sicht nach hinten stehen
Daten BMW X6 xDrive 30d Motor: 6-Zylinder TwinTurbo Dieselmotor
Hubraum: 2.993 ccm Leistung: 258 PS bei 4000 U/min Max. Drehmoment: 560 Nm bei 1500 U/min Testverbrauch: 9,4 Liter Vmax: 230 km/h 0 auf 100 km/h: 6,7 Sek. Preis ab EUR 74.500,00