Grenzüberschreitendes Projekt Gotik Straße: Die Perlen der Gotik erschließen
MÜHLVIERTEL/SÜDBÖHMEN. Der offizielle Startschuss für das grenzüberschreitende Gemeinschaftsprojekt Gotik Straße - gotická stezka“ fiel in der bischöflichen Residenz in Budweis.
Das neu zu belebende Projekt Gotik Straße umfasst mehr als 50 herausragende sakrale Denkmäler im Mühlviertel und in Südböhmen. Die offizielle Startkonferenz in Budweis stellte mit einem hochkarätig besetzten Podium, zahlreichen Ehrengästen aus Kirche, Politik und Kultur dessen hohen Stellenwert unter Beweis. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das Thema Gotik für die touristische Entwicklung der Region auf beiden Seiten der Grenze ein enormes Potenzial hat.
David Henzl, Generalvikar des Bistums České Budějovice und Johann Hintermaier, Bischofsvikar für Bildung, Kunst & Kultur der Diözese Linz betonten die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Kirche und Tourismus. Hintermaier zeigte in seinem anschließenden Referat, dass die gotischen Kunstdenkmäler neben der herausragenden historischen und kunstgeschichtlichen Bedeutung natürlich auch eine spirituelle Dimension haben. Das ermögliche die Entwicklung eines besonderen touristischen Angebotes mit „Tiefgang“.
Für den Kreis Budweis, der das Projekt finanziell wesentlich unterstützt, waren beide stellvertretenden Kreishauptmänner Südböhmens vertreten. Neben Pavel Hroch, der das Projekt von Anfang an mitentwickelt und unterstützt hatte, sprach auch Kreishaupmannstellvertreter František Talíř, zuständig für den Tourismus in Südböhmen: „Bei uns waren bisher – anders als in Österreich - viele Kirchen meist verschlossen. Durch dieses Projekt wird die Zugänglichkeit erhöht. Nicht nur die großen Highlights, auch die kleinen versteckente ‚Perlen der Gotik‘ sollen besucht werden können.
Der Präsident des Österreichischen Bundesrates Franz Ebner zeigte sich vom Projekt persönlich beeindruckt: „Die Baumeister der Gotik hatten keine modernen Planungsprogramme, keine digitalen Werkzeuge. Dennoch erschufen sie Werke, die uns bis heute zum Staunen bringen. Die Gotik Straße ist ein großartiges Kulturprojekt und ein starkes Symbol für unsere gemeinsame Geschichte.“
Virtuelle Rundgänge aus neuen Blickwinkeln
Stefan Wunderle vom Tourismusverband Mühlviertler Alm Freistadt, dem Projektträger in Oberösterreich, konnte in seinem Referat mit dem 3D Modell des Schlingrippengewölbes in Königswiesen schon ein Beispiel einer digitalen Darstellung gotischer Kunst vorführen. Für alle über 50 Objekte (30 in Oberösterreich und über 20 in Südböhmen) werden Digitalisierungen vorgenommen, die künftig online virtuelle Rundgänge mit ganz neuen Blickwinkeln ermöglichen. Damit sollen auch neue Zielgruppen im wachsenden Markt des Kulturtourismus erreicht und zum Besuch der Region animiert werden.
Unter den Kirchen wird Kefermarkt mit seinem weltberühmten Altar eine Sonderrolle einnehmen, für die Alfred Weidinger, wissenschaftlicher Geschäftsführer der OÖ. Landes-Kultur, eine Ideenskizze präsentierte. Der Kunsthistoriker der Universität Budweis Latál Hynek gewährte einen tiefen Einblick in das Thema der gotischen Baukunst in der Region Südböhmen und Oberösterreich, die er wie kaum ein anderer kennt. Er zeigte den Kontext der Bauwerke, die nie für sich alleine stehen, sondern sich in die Landschaft einfügen und nur im Zusammenhang der damaligen europäischen Vernetzung entstehen konnten.
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